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Weniger müssen müssen

Beim Betrachten dieses neuerlichen Gedankeninfarkts der Autorin Fee Katrin Kanzler könnte auffallen, wie ubiquitär, ja geradezu deppenviral mittlerweile die Phrase "muß ich sagen" geworden ist. Keine Wendung ist so einfältig, als daß sie durch ein angeflanschtes "muß ich sagen" nicht noch ins Pathetisch-Erhabene geliftet werden könnte. Ähnlich wie "irgendwie" handelt es sich letztlich um ein Sprachpräservativ, eine Selbstdistanzierung vom Gesagten. Und wie "irgendwie" markiert "muß ich sagen" den Sprechakt als unverantwortlich: Ich spreche nicht, ich werde gesprochen! Äußere Zwänge, unüberwindliche Überzeugungen, außerirdische Gedankenkontrollstrahlen bringen mich zu einer Bemerkung, die ich damit unter den Vorbehalt ebenjener Zwänge gestellt sehen möchte. Gleichzeitig bekommt so jede Äußerung etwas lächerlich Bekenntnishaftes, wird Appell und Konfession im selben Atemzug: Diese Brezel schmeckt mir, ich kann nicht schweigen! Ich sehe gerne Anixe, und wenn ihr mich dafür ans Kreuz nagelt! Und ich bin absolut besessen von Fee Katrin Kanzler, muß ich sagen.

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Irgendwie muss ich sagen, dass sie wahrscheinlich recht haben. Ansonsten wäre es möglich, wie mir gerade aus dem Mund entfleucht, obwohl ich das gar nicht aussprechen will; dass auch die Possibilität besteht, dass sie nicht Recht haben. Unwahrscheinlich, aber im Bereich des Möglichen.
Anonym hat gesagt…
"Hier stehe, ich kann irgendwie nicht anders"...als meinen Senf dazugeben.

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