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Es werden Posts vom Januar, 2013 angezeigt.

Kunst im öffentlichen Raum (2)

Hat die Konkrete Poesie noch eine Chance? Suspendiert man für den Moment alles, was man als Fußballverächter mit diesem brachialen Wortgestammel zu assoziieren glaubt, steht man vor einem lyrischen Tableau ersten Ranges. Sturm, Hoffnung, Klarheit, Lauterkeit; alles steht nebeneinander, trochäisch phrasiert; jedes Wort gebrochen, doch sein utopischer Gehalt unangetastet. Stürmer, Hoffer - ein sturmundrangstarkes Ego, optimistisch, "klar", bricht sich seine Bahn, mit besten, lautersten Absichten, mit Lautern also, prescht es frühlingsfrisch nach vorn, dem Geier gleich, der (Fragment)

Liebe Frauen!

Unverblümte, "superfreche" Groupieanfragen sind natürlich etwas Wunderbares und wärmen das Herz jedes Unterhaltungsschaffenden. Sie ersparen sich aber so manche Peinlichkeit und Ihrem Idol einige beklemmende Gedanken über die Promiskuität der zeitgenössischen Damenwelt, wenn Sie sich vorher "schlaumachen".

Ökonomie 2.0

Heute habe ich mein achtes Kindle erworben. Seine Vorgänger habe ich aus der Tasche fallen lassen, in der Bahn vergessen oder im Rausch zerschmettert. Für das Geld hätte ich mir gut 200 Papierbücher kaufen können. Lehrt uns das was? Übers Digitalzeitalter? Nein? Nicht mal ein bißchen was? Na dann.

Kunst im öffentlichen Raum

Öffentliche Kunst im 21. Jahrhundert ist weit mehr als uninspiriertes Betongewichse. Vielmehr integriert sie die Bevölkerung, macht die Flaneure und Hetzgurken der Großstadt zu Teilen eines dynamischen Ensembles. Bestes Beispiel ist die Installation „Ein Haus für Goethe“ von Eduardo Chillida. In der Frankfurter Taunusanlage, gleich unterhalb von Manufactum, steht seit 1986 eine begehbare Skulptur, die der baskische Bildhauer ursprünglich aus Eisen anfertigen wollte, bis die Stadt erklärte, daß ihr das zu teuer würde. So entschied er sich für das Medium Beton, dessen nahezu unbegrenzte Gestaltungsmöglichkeiten Chilida bei diesem Werk fast vollständig ungenutzt ließ. Die 3 x 6 x 8 Meter große monumentale Mini-Skulptur ist nach vorne und oben offen, symbolisch für die offene Gesellschaft bzw. den Arsch. Zwei Flächen werden durch einen Bogen verbunden, stellvertretend für jenen Bogen, den jeder geschmackssichere Mensch um diese Scheußlichkeit machen sollte.

„Goethe“ (im Bild links) kann …

Buch des Jahres

Oh, was wird das Bücherjahr wunder- und gnadenreich! Am wundervollsten, so legt es das Studium der Verlagsvorschauen nahe, wird das literarische Debüt einer jungen Frau: „Strom“, von Hannah Dübgen, terminiert auf den August, laut DTV ein „herausragender Roman über unsere Gegenwart“. „Im Mittelpunkt“, so der Prospekt, „vier Menschen in vier Ländern, aus Berlin, Tokio, Paris und Tel Aviv“. Und weil die Gegenwart im Land Berlin wie im Lande Tokio scheint's eine gleichermaßen düstere ist, schaut die junge Autorin auch tapfer-grimmig drein und läßt ihr güldenes Haar wehen, halt, strömen, als wollten die Winde des Schicksals sie gleich forttragen.

Worum geht’s? „Vier Menschen in vier Ländern: Ada aus Berlin hat mit ihrer Freundin Judith einen Dokumentarfilm über das Leben im Gazastreifen gedreht. Judith aber stirbt kurz nach Fertigstellung des Films. Die junge japanische Pianistin Makiko ist nach Paris gezogen und gibt in ganz Europa Konzerte. Als sie erfährt, daß sie ein Kind erwartet…

Ist Thierse der Sarrazin der Hipster?

Im Zuge der mit Wolfgang Thierses kurrentem Interview nun endgültig im Mainstream angekommenen Berliner Schwabenkritik sei eine Anmerkung gestattet. Wer berufsbedingt häufig dem ICE Stuttgart-Berlin zusteigen muß, erlebt:
stark alkoholisierte Stuttgarter Werber aus der ersten Klasse, die von speziellen Deutsche-Bahn-Sicherheitskräften ins Bistro begleitet werden müssen, damit sie dort nur Apfelschorle bestellen und kein fuchzehntes Bier;junge Eltern, die ein Kind namens Frederik offenkundig zweisprachig aufziehen wollen, und zwar in den Sprachen "Affektiertes, überkandideltes Hochdeutsch" und "Grammatisch falsches, unidiomatisches Schulbuchfranzösisch mit Schwarzwaldakzent" (das Kind soll offenbar frühzeitig lernen, problemlos von gleich zwei Kulturen gehaßt zu werden);junge Paare, die mit vier Koffern, zwei mannshohen Abenteuerrucksäcken, einem großen Korb voller "Snacks" und einer Jumbo-Einkaufstüte mit verspäteten Weihnachtsgeschenken ein Abteil besetze…

Ein Hotelgast klagt an

Ein kalter Krieg tobt in deutschen Hotels. Es ist der Krieg zwischen Gästen und Reinigungspersonal. Und die Reinigungskräfte sind dabei, ihn zu gewinnen.
Inzwischen ist es in Hotels gleich welcher Preisklasse vollkommen üblich, daß die Putzleute das Zimmer nach Belieben betreten und wieder verlassen können, und zwar egal, ob der Gast das möchte. Wer wie Verf. einen deutlich nokturn geprägten Lebenswandel pflegt und sich insbesondere in den Ferien selten vor zwölf von seinem Lager erhebt, wird mittlerweile auf jeden Fall gestört.
Dabei ist es Sitte, nicht einmal mehr zu klopfen, bevor man ins Zimmer eindringt. Wer nach zehn Uhr noch im Bett ist, erhält dann einen Weckruf wie „Oh sorry, Sir“, und wird mit routiniert gespielter überraschter Zerknirschtheit konfrontiert. Die entstehenden Streitgespräche sind dann von der Art, daß man als braver Putzmann natürlich im Leben nicht damit gerechnet hätte, daß sich ein Gast nach zehn Uhr überhaupt noch in seinem Zimmer aufhält - egal, ob zu Sc…