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Ist Thierse der Sarrazin der Hipster?

Im Zuge der mit Wolfgang Thierses kurrentem Interview nun endgültig im Mainstream angekommenen Berliner Schwabenkritik sei eine Anmerkung gestattet. Wer berufsbedingt häufig dem ICE Stuttgart-Berlin zusteigen muß, erlebt:
  • stark alkoholisierte Stuttgarter Werber aus der ersten Klasse, die von speziellen Deutsche-Bahn-Sicherheitskräften ins Bistro begleitet werden müssen, damit sie dort nur Apfelschorle bestellen und kein fuchzehntes Bier;
  • junge Eltern, die ein Kind namens Frederik offenkundig zweisprachig aufziehen wollen, und zwar in den Sprachen "Affektiertes, überkandideltes Hochdeutsch" und "Grammatisch falsches, unidiomatisches Schulbuchfranzösisch mit Schwarzwaldakzent" (das Kind soll offenbar frühzeitig lernen, problemlos von gleich zwei Kulturen gehaßt zu werden);
  • junge Paare, die mit vier Koffern, zwei mannshohen Abenteuerrucksäcken, einem großen Korb voller "Snacks" und einer Jumbo-Einkaufstüte mit verspäteten Weihnachtsgeschenken ein Abteil besetzen, aus ebendiesen Gepäckteilen dann eine Art Ritterburg um sich herum errichten, jedes Mal deutlich hörbar aufstöhnen, sofern ein anderer Reisender zum Zwecke des Toilettenbesuchs diese Burg überwinden muß, und den Verweis auf die zahlreichen Schließ- und Staufächer in den Gängen zurückweisen mit der Bemerkung, man habe schließlich Wertsachen bei sich (Subtext: Weiß einer wie Sie überhaupt, was Wertsachen heute wert sind?).
Jedem denkenden Menschen muß Rassismus ein Greuel sein; doch wenn man überlegt, daß die Berliner jeden Tag eine wachsende Zahl dieser Menschen integrieren müssen, betrachtet man die ganze Debatte mit neuem Ernst.

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Ich seh das weit weniger verbissen: Immerhin muss auch der Rest der Republik mit einer ständig wachsenden Zahl von Berlinern auskommen. Und der Homo berlinicus war noch nie integrationsfähig...
Anonym hat gesagt…
Ich finde einfach alle scheiße, das machts leichter.

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