Direkt zum Hauptbereich

Kunst im öffentlichen Raum (4)



Gibt es eine Schönheit, die nicht von kulturindustriellen Zwängen einerseits, von patriarchalischen Machtstrukturen andererseits überformt wird? Vielleicht wird man ihrer habhaft dort, wo die Kosmetikindustrie der Superreichen proletarisch reinterpretiert, dekodiert, vonmiraus auch defloriert wird – im „Interstitiellen“ (Kristeva), in den Zwischenräumen, in den Falten, Krähenfüßen, Schlupflidern, Besenreisern und scheußlich aufgequollenen Hexenwarzen des Diskurses?

Diese beiden Frauen haben die Antwort auf Schönheitskult und Jugendwahn gefunden – indem sie sie schuldig bleiben. Man weiß nicht, ob sie die Kosmetikerinnen, die Kundinnen vor oder die Kundinnen nach der Behandlung darstellen sollen; ob sie Bestätigung, Abweichung oder abschreckendes Gegenteil eines fraulichen Idealbilds sind, das sie somit zugleich dekonstruieren. Alle Varianten, sogar Kombinationen davon sind denkbar; ebenso wie die Möglichkeit, daß hier eine wirklich hochpotente und wundermächtige Fruchtsäure ein ganz und gar beeindruckendes Vorher-Nacher geleistet hat, wir hier also dieselbe Frau sehen, der das Peeling gleich auch Brille, Bluse und Unterbiß zusammen mit dem Bildkontrast weggeätzt hat.

Die Jury lobt auch die seltsam lovecraftsche, venusfliegenfallenhafte Pflanzenkreatur im Hintergrund, deren von dämonischen Ranken besetztes Maul gleichzeitig das lindernd-fruchtige, die Falten irgendwie wegfressende Heilsversprechen der Säure wie auch das Freudsche Schreckbild der vagina dentata evoziert und so noch einmal ein Dings, na, irgendwas halt zum Ausdruck bringt, gehen Sie halt mal selber hin, soll gut sein da.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Sticks and Stones

Über die verschiedenen Formen des Beleidigtseins, nebst einer Handreichung für die Opfer unerträglicher Provokationen einerseits wie zum Selbstschutz der Provokateure andererseits


Während die Satiriker spotten, die Witzemacher witzeln und die Provokateure provozieren, sie alle also die Kunst des Ankeifens und des Giftelns verfeinern und ausdifferenzieren, schaffen sie stets auch eine Schatten-Profession, ein Spiegelbild ihrer selbst: die Empörten; umgangssprachlich: die Opfer. In der langen Geschichte der Kränkung, des Schmollens und des Beleidigtseins haben sich dabei über die Dezennien und Dezimalstellen hinweg einige Grundformen herausgebildet, die mittlerweile eine hohe Selbständigkeit erreicht haben und auch von Laien wiederholt werden können. Sie ähneln darin Figuren im Ballett, im Eiskunstlauf oder Dressurreiten: Zwar können sie miteinander kombiniert und in gewissem Grade auch variiert werden, dies aber ist weder gewünscht noch geboten; es geht um eine perfekte Perfomance, nic…

Warum Trump?

Nach wie vor versuchen mir Linke zu erklären, die Wahl Trumps sei letztlich nur auf einen Irrtum der abgehängten Industriearbeiter zurückzuführen, die nicht einsehen, daß der Orangene gar nicht ihr Klasseninteresse, allg. Wohlstand oder Kommunismus im Sinn habe. Es scheint hier gar keine andere Motivation vorstellbar als fehlgeleitetes Eigeninteresse.

Ich habe in den letzten Tagen sehr viele Beiträge und Tweets von Trump-Unterstützern gelesen; nirgendwo sehe ich, daß seine Wähler ernsthaft glauben, es würde ihnen jetzt wirtschaftlich besser gehen. Nirgendwo sieht man die Hoffnung, jetzt höherbezahlte Jobs zu erhalten oder am berühmten Monatsende mehr in der Tasche zu haben. Hier wurde gar nicht erst aus Eigeninteresse gewählt, sondern gewissermaßen selbstlos.

Die überwiegende Mehrheit der Wähler scheint keine materielle Belohnung erwartet zu haben. Sie haben gar keine persönliche Hoffnung auf Trump gesetzt; deswegen war es auch egal, was er ihnen alles vorlog. Ihnen war von Anfang an …
Im Neuen Deutschland versammle ich noch ein paar haßerfüllte Gedanken zu Markus Lanz. Wie ich ihn hasse. Haß, Haß, Haß.