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Cafésterben im Kiez

Ein bestürzendes Bild von der Berger Straße, Frankfurt. Ohne große Tamtam hat mein kleines Eiscafé zugemacht. Einfach so. Das Eiscafé, wo ich immer so gern drin gesessen wäre, hätte ich die Zeit gehabt oder interessierte ich mich für Eiskrem. Statt dessen macht an der Stelle der nun wirklich x-te Gemüsetürke auf. Dabei weiß jeder, daß wir in Deutschland weniger Gemüse und mehr Ingenieure brauchen.

Es ist ein unguter Trend in Frankfurt: Immer mehr kleine, inhabergeführte Eiscafés müssen schließen. Innerhalb weniger Monate haben fast alle die Schotten dichtgemacht. „27. Oktober ist unser letzter Tag“, meldet etwa das gerade bei Schleckermäulern beliebte Eiscafé „Christina“. Keine Abschiedsfeier, keine Soliparty, nichts. Das „Cinecitta“, das „Lido“, das „Venezia“ - sie alle konnten sich nicht halten. Der Großhändler Häagen-Dazs, mit seinen Filialen im Westend, an der Neuen Kräme und im Bahnhof, hat dagegen immer geöffnet. Er profitiert vom Kältetod der Kleinen. Ein eiskaltes Geschäft.

Vielleicht sind Eiscafés heute, in unserer schnellebigen, nur mehr auf Kicks & Klicks fixierten Gesellschaft, ein Anachronismus. Vielleicht ist die gute alte Eiszeit einfach vorbei. Aber schmilzt mit den Eiscafés nicht auch ein Stück Menschlichkeit? Im Sortiment von Häagen-Dazs jedenfalls fehlt diese Geschmacksrichtung.

Nächste Woche teste ich an dieser Stelle Frankfurts schönste Biergärten.

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