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Die leidigen Erdlinge

Vor einer Weile habe ich in „Konkret“ über veganen Aktivismus geschrieben, genauer gesagt: über einen veganen Aktivisten, der seit Monaten die gesamte Innenstadt Frankfurts mit seinen Eiter-, Rotz- und Pipikackabotschaften vollschmiert.

Dieses Blog gibt es noch nicht lange, viel zu lesen gibt’s hier auch nicht, doch seit ich diesen Artikel hier online gestellt habe, beschert mir die kleine Anzeige rechts daneben jeden Monat ein sehr erfreuliches Taschengeld – denn der Earthlings-Artikel ist nach wie vor der meistangeguckte, und die Zugriffszahlen betragen das VIELTAUSENDFACHE des hier Üblichen. Dies bestätigt nebenbei meinen Verdacht, daß es in Deutschland, nach „Darm mit Charme“, mittlerweile nur mehr darum geht, was oben rein und unten raus kommt, weil alles andere zu schwierig oder aufregend ist. Egal ob Partygespräch oder Leitartikel – der Tellerrand wird allmählich zum Horizont des gesamten geistigen Lebens.

Gleichwie – die Anzahl der Leserbriefe zu meinem Beitrag war und ist immer noch hoch; die meisten kommen von Veganern, die den Artikel mißverstanden haben, die zweitmeisten von Fleischfreunden, die den Artikel mißverstanden haben. Nun hat Hilal Sezgin in der Taz zu einem Rundumschlag gegen „Fleischis“ ausgeholt – und dabei auch meinen Artikel unter Beschuß genommen.

Die Tatsache, daß ich mich um die geistige Gesundheit der Kreideaktivisten sorge, sieht sie selbst als „ballaballa“ an, denn jemand, der vegan lebt, kann schließlich nicht zugleich auch verrückt sein, das verhindern spezielle Enzyme. Nun, was meine geistige Gesundheit angeht, habe ich selbst oft Zweifel, aber immerhin schmiere ich nicht die Fußgängerzonen voll, sondern nur kleine Schmuddelzeitschriften, denen man ohne Mühe aus dem Weg gehen kann.

Aber ich meine doch, daß zur journalistischen Redlichkeit gehört hätte, wenigstens das Hauptthema meines Artikels zu benennen. Nur ganz kurz, im Nebensatz. Nun unterläßt Hilal Sezgin aber jeden Hinweis auf „Earthlings“ und das Lieblingshobby auch des Frankfurter Earthlings-Aktivisten, nämlich die Relativierung des Holocaust. Also das Hauptthema meines Artikels. Das ist ihr einfach nicht wichtig. Es geht schließlich um ein höheres Gut, um tote Tiere. Tote Juden stören da nur.

Ich habe viel doofe Post zu dem Artikel bekommen, aber noch der fanatischste Veganer war in der Lage, dieses Hauptthema zu erkennen und zu benennen. Es einfach zu unterschlagen, das bestürzt mich ehrlich gesagt mehr als all die Beleidigungen, die ich bisher erhalten habe.

Ich finde Veganismus nach wie vor eine schöne Sache. Aber mir graut vor den Abgründen, die sich stets da auftun, wenn eine Diätvorschrift zur Weltanschauung erhoben wird.


Nachtrag. Noch vor Veröffentlichung dieses Kommentars hat mir Hilal Sezgin auf ihrer Facebook-Seite mangelnde journalistische Standards vorgeworfen. Ich hätte mit dem Aktivisten sprechen sollen, statt nur seine öffentlichen Verlautbarungen zu betrachten. Warum ich das hätte tun sollen, weiß ich nicht, ich weiß nur, daß Hilal Sezgin auf keine Weise mit mir Kontakt aufgenommen hat, bevor sie meine geistige Gesundheit in Frage stellte. Aber wahrscheinlich ist diese Hausmacher-Ethik die einzige, die man in ihrem kleinen Dorf in der Lüneburger Heide bekommen kann, und wohl auch ein bisserl unnötig, wenn man immerfort die Welt retten bzw. „weniger Leid für Tier, Mensch und Umwelt“ (Sezgin) erringen muß.

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Es können sich auch dort Abgründe auf tun, wenn Veganismus als Mittel genutzt wird, um sich von anderen abzugrenzen, vielleicht sogar andere dafür zu verurteilen, nicht Veganer zu sein.

Das ist doch Unsinn, damit erreicht man nicht viel, vorallem kein Verständnis!

Danke für den kritischen Artikel.

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