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Weltmeisterbrötchen

   „Guten Tag, liebe Weltmeister, liebe Weltmeisterinnen“, sagt der Mann vom HR-Inforadio heute, fährt damit fort, daß wir nun ja tatsächlich alle Weltmeister seien, obwohl das verdientermaßen nur „unsere Jungs“ sagen dürften, die sich im Gegensatz zum ungeneigten Publikum ja „echt die Hacken abgelaufen“ hätten. Es folgt ein „Tage wie dieser“-artiger Schlager, dann holt man, „um zu erfahren, wie es sich anfühlt, Weltmeister zu sein“, eine Skispringerin von 2013 vom Dachboden, die pflichtschuldig rapportiert, am Abend des Siegs selbst könne man es eigentlich noch gar nicht fassen, am Morgen danach aber auch noch nicht bzw. nicht sehr, aber immerhin schon ein bißchen.

   In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hingegen kriegen es gleich zwei lateinamerikanische Despotinnen ab, Dilmar Roussef und Cristina Kirchner; letztere besonders, weil sie sich laut Frauenkritiker Josef Oehrlein als „Fußballerin“ inszeniere, „als tapfere Torhüterin. Das war während eines belanglosen Auftritts, als sie unter anderem die Eröffnung einer Waschmaschinenfabrik verkündete. Manche Zuhörer dachten, sie würde auch etwas zu staatstragenden Themen sagen“, manche wiederum fanden es ganz schön bigott, so etwas in einer Zeitung zu lesen, deren Titelseite ein unkommentiertes Bild des DFB-Logos darstellt (und die damit tatsächlich noch blöder und analphabetischer ist als der Bild-Titel der letzten Woche, auf dem mit „ohne Worte“ immerhin noch zwei Worte standen), in einer Zeitung, in welcher die endgültige Verschmelzung von deutscher Politik und Sport nicht kritisiert, die fanbeschalten Lemuren Merkel und Steinmeier nicht abgewatscht, sondern als Normalität verkauft werden.

   Viel wurde darüber orakelt, welche unanständigen Gesetze das Parlament während der WM durchpeitschen würde. Die gleichen Medien aber, die da so tüchtig schimpften, haben ihrerseits die WM genutzt, um allesamt noch einen Tick bescheuerter und ordinärer zu werden. Das kann ja heiter werden.

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