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It's complicated!

Fast noch possierlicher als diejenigen, die sich mit ihren „Free Palestine“-Rufen vorgeblich auf die Seite der Unterdrückten schlagen und in Wahrheit schon ganz genau wissen, wen und was sie damit unterstützen, finde ich ja diejenigen, die sich aus dem ganzen raushalten wollen – wehewehe, man weiß ja nicht, wer da wirklich die Guten sind, evtl. bleibt sogar an mir was hängen, wenn ich mich einseitig solidarisiere, können wir das hier in Europa überhaupt alles recht durchschauen? Das sieht dann so aus, daß man entweder "den Nahostkonflikt" beklagt, als objektives Faktum, als Naturschauspiel, auf das man keinen Einfluß hat, wie den Monsun oder den Borkenkäfer. Aus diesem Lager stammt dann die Phrase von den "Hardlinern auf beiden Seiten". Oder man legt ganz pathetisch die Hände in den Schoß, wie es Misha Anouk getan hat - ignoramus, ignorabimus.

Denn es ist ja auch kompliziert. Auf der einen Seite haben wir eine Demokratie, in deren Talkshows Vertreter sämtlicher Parteien, gerade auch der arabischen, allabendlich die Verhältnismäßigkeit von "Protective Edge" diskutieren, wo es eine Friedensbewegung gibt und eine atheistische Linke, und wo sich die Regierung für jeden Toten, gleich auf welcher Seite, vor den Wählern verantworten muß - auf der anderen einen unter Räuberbanden aufgeteilten und vom arabischen Ausland in Geiselhaft genommenen Gesamtslum, in welchem schon das Kinder-TV zum Judenhaß aufstachelt, wo für tote Juden Kopfgelder bezahlt und auf den Straßen Süßigkeiten verteilt werden, wo es keine Opposition gibt und keine unabhängigen Medien, so wie etwa Haaretz, die Lieblingsquelle deutscher Antizionisten; ein Regime, nicht zuletzt romantisiert und gestützt vom antisemitischen Mainstream in weiten Teilen Europas.

Da fällt es natürlich schwer, eine moralisch 100%ig propere Entscheidung zu treffen, gerade auch vor dem Hintergrund, daß man nur ja keine Angst vor dem Islam fördern möchte, eine Religion, die offenkundig besonders schutzbedürftig ist, sich auch nicht selber schützen kann. Aber natürlich, die antiislamischen Ausschreitungen der letzten Woche sind wirklich entsetzlich, teilweise stellen sich Pro-Israel-Gruppen den judenkritischen Friedensfreunden sogar in den Weg oder provozieren, indem sie Kippa tragen oder bei Maccabi Fußball spielen. Ich finde es wirklich zauberhaft, wie diese Autoren ihre europäischen Sensibilitäten herumtragen – gute Güte, ich ertrage diese ganze Komplexität nicht! -, dennoch aber intellektuell ernstgenommen werden möchten.

Und wo die Autoren wenigstens ihr Nichtwissen eingestehen, haben sie stets das traditionelle Rüstzeug im Gepäck – so spricht auch der so sorgfältig Äquidistanz wahrende Anouk vom "Ghetto" Gaza (und vermißt es in Fußballfeldern, oy vay! Gaza hat eine Bevölkerungsdichte, die etwas über der von München liegt), zitiert ganz unparteiisch israelische "Greueltaten", glaubt zudem sogar zu wissen, was passieren muß - Zwei-Staaten-Lösung, Rückzug aus den besetzten Gebieten. Nur fürs Protokoll: Als sich Israel das letzte Mal irgendwo zurückzog, begann der unausgesetzte Raketenregen, dessen Existenz manche Autoren sogar großmütig anerkennen.

Aber die deutsche Moral, weiß Gott! Die muß halt immer wirklich jesusmäßig sein, mit allen Leidenden der Erde gleichermaßen mitfühlen. Dieses Äquidistanzargument - alle haben irgendwie Dreck am Stecken, beide Seiten müssen dies und das, ja wenn wir alle Englein wären - geht traditionell immer zu Lasten Israels, das immerhin zeigen diese Beiträge sehr schön. "Die Hamas muß den Staat Israel anerkennen", wenn ich das schon lese! Die Deutsche Bank muß sofort den Kommunismus ausrufen! Beate Zschäpe muß einsehen, daß sie einen Fehler gemacht hat! Vom Boden der deutschen Demokratie aus, die den Leuten mit Bomben aufgezwungen wurde, sich weißgottwas auf einen Pazifismus einzubilden, der stets unterm Schutzschirm der NATO gedieh, ist das eine. Das andere ist, sich dabei auch noch so larmoyant zu spreizen, sich als gequälte Seele, gar als eigentliches Opfer des Konflikts zu inszenieren: Ah, diese verdammten Israelis! Zwingen sie mich doch tatsächlich dazu, einen Standpunkt haben zu müssen! Obwohl alles so schrecklich kompliziert ist!

Man verstehe mich nicht falsch: Viel wäre gewonnen, wenn sich alle Deutschen entschieden, in Sachen Israel aus guten Gründen mindestens tausend Jahre lang die Klappe zu halten. Es mangelt der Welt nun wahrlich nicht an engagierten Israelkritikern. Nur halten sie Autoren wie Misha Anouk gerade nicht, sondern plustern sich noch auf mit ihrer wohlfeilen Gewalt-ist-immer-schlecht-Argumentation. Ins Negative gewendet, ist das genau die Äquidistanz jener Leute, die vor beschmierten Synagogen stehen und sagen: Furchtbar, letztlich genau wie '33, wobei, ein bißchen verdient haben sie's auch, wenn man anschaut, wie sie schon jetzt wieder die Völker unterjochen.

In der Tat, ich halte Neutralität in dieser Sache für falsch. Und zwar interessieren mich gar nicht mal so sehr die eigentlichen Kampfhandlungen, die ich nur schwerlich beobachten kann und über deren Angemessenheit mir kein Urteil zusteht; vielmehr das, was der Konflikt hier in Deutschland anrichtet. Nämlich ein drastisches Aufflammen des Antisemitismus. Nirgendwo läßt sich das schöner beobachten als an den Leserkommentaren der Bild-Zeitung zu ihrer „Nie wieder Judenhaß“-Kampagne. Jetzt explodiert diesem Blatt sein jahrelang gepflegter Rechtspopulismus im Gesicht - „nie wieder Bild-Zeitung“ ist noch der harmloseste Kommentar. Wohlgemerkt, in der Kampagne fehlt der plakative Bezug auf Israel. Es heißt nur „Nie wieder Judenhaß“. Allein das ist dem Gros der Bild-Leser schon unerträgliche Provokation.

Die eitle Position "jetzt hauen sie sich wieder die Köpfe ein", die sich dann auch noch besonders weise und differenziert dünkt, läßt einen nicht nur wirklich billig aus der Affäre kommen – sondern führt dann auch zu einer falschen Neutralität in Behandlung dieses inneren deutschen Antisemitismus. Der hat tatsächlich eine neue Qualität erlangt: Was die Montagsdemos gesät haben, ernten jetzt die Gaza-Demos, verbinden Rechte und Linke, Nazis und Islamisten. Das konnte man sehr gut am WM-Wochenende sehen, wo nicht nur deutsche und palästinensische Fahnen an der Frankfurter Konstabler Wache fröhlich nebeneinander flatterten, sondern, nur rein optisch, Migranten und Biodeutsche gleiche Anteile stellten. (Dies übrigens die Demo, wo die Polizei zur "Deeskalation" die Einpeitscher "Kindermörder Israel" über die Lautsprecher ihres Einsatzwagens kreischen ließ.) Denn auch, wenn man sich gegenseitig haßt, den Juden haßt sich's allweil besser.

Und tatsächlich bestürzend finde ich die Untätigkeit der Linken, die diese Demos offenbar für zu duldende Folklorefeste eines bildungsfernen Prekariats hält, dessen Kritik schon per se rassistisch/'klassistisch' etc. wäre. Wer "Juden ins Gas" schreit, verfügt über genauso viel Bildung, wie er haben müßte, um solche Gemeinheit zu unterlassen. Nichts entschuldigt die geile Wut, die sich da Bahn bricht.

Und nein, es geht mir hier auch nicht um Muslime oder Araber; diese Friedensdemos bilden die deutsche Gesellschaft schon sehr präzise ab, da ist jedes Milieu dabei. Aber ich bin tatsächlich enttäuscht von einer Larifari-Linken, die bei NPD-Demos brav die Lichterketten hält, sich angesichts beispielloser antisemitischer Ausschreitungen in Deutschland aber hinter windelweichen Frieden-jetzt- und Ihr-habt-beide-recht-Appelle zurückzieht. Da ist Neutralität nämlich eine Position, und zwar eine schlechte.

Denn natürlich ist Israel ein kapitalistischer Staat. Aber nur, weil er sich wie jeder andere kapitalistische Staat kritisieren läßt, entsteht dadurch noch keine moralische Gleichberechtigung der Konfliktparteien. Sonst müßte Israel ja erst mal den Kapitalismus abschaffen, bevor es sich überhaupt verteidigen dürfte. Und im Vergleich zum puren Vernichtungswillen des Gegners, die permanente Einschwörung einer ganzen Gesellschaft auf mörderischen und selbstmörderischen Antisemitismus, finde ich die inneren Probleme der israelischen Gesellschaft, wie Rassismus etc., die es ohne Zweifel gibt, tatsächlich unbedeutend, jedenfalls für die Frage, welcher Gesellschaft dort unsere Sympathien grundsätzlich zu gelten hätten; Probleme, die sich vor dem Hintergrund des permanenten Kriegszustands seit Staatsgründung noch einmal so klein ausnehmen. (In Israel hat ein Araber evtl. geringere Chancen auf einen Job, in Gaza wird ein Jude umgebracht, wenn er sich zeigt.) Ich jedenfalls glaube nicht, daß ein Deutschland, das siebzig Jahre im Krieg mit einem Nachbarn gelegen hätte, über eine derart fortschrittliche Gesellschaftspolitik wie Israel verfügte (Homoehe, Abtreibung, Adoption etc.), die im übrigen in den meisten Bereichen weiter ist als Deutschland und die USA.

Kurz und gut: Wer vom deutschen Antisemitismus sprechen will, darf vom Antizionismus nicht schweigen. Und: Es ist gar nicht so kompliziert, für Israel zu sein. Tendenziell. Nur ein bisserl. Nicht mehr als nötig. Und sei es nur angesichts der Zustände in Deutschland.

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Obwohl ich auf der entgegengesetzten Seite stehe, kann ich lustigerweise den Ärger über die Raushalter und Neutralisten auch aus meiner Sicht weitgehend nachvollziehen.

Aber in einem Krieg die Sympathien danach zu verteilen, wer demokratischer oder sonstwie fortschrittlicher ist, scheint mir zu kurz gedacht. So hat sich früher der ganze Kolonialismus gerechtfertigt ("Zivilisation" gegen "Barbarei").

Ansonsten unterschreibe ich zumindest diesen Satz: "Wer "Juden ins Gas" schreit, verfügt über genauso viel Bildung, wie er haben müßte, um solche Gemeinheit zu unterlassen. Nichts entschuldigt die geile Wut, die sich da Bahn bricht."
Misha Anouk hat gesagt…
Ach, Herr Fischer, Sie und Ihr possierliches, selbstgefällig-naives Weltbild. Muss alles so einfach sein, wenn alles schwarzweiß ist. Die gleiche habebüchene Logik entdeckt man ja auch bei den Teilnehmern der Pro-Gaza-Demos und den Hamas-Anhängern in den Kommentaren, bloß andersrum. Ich verstehe, dass das vermutlich schwer nachvollziehbar ist, aber die Position, keine Seite ergreifen zu wollen ist nicht gleichbedeutend mit stillschweigender Duldung oder gar Unterstützung was auch immer Sie mir da unterschieben wollen. Einfach gemacht hat es da nur eine Person: Sie
Sarah hat gesagt…
Willst du damit hiermit sagen, es ist o.k. unschuldige Kinder zu toeten, solange Israel die Homoehe erlaubt?
Sarah hat gesagt…
Willst du hiermit sagen, das Toeten unschulidger KINDER in Gaza ist akzeptabel, solange Israel die Homoehe erlaubt?
Anonym hat gesagt…
Sorry, aber ich habe es schon lange aufgegeben, mich in diesem Konflikt für eine Seite zu engagieren. Das ist doch wie bei streitenden Geschwistern - und da appelliert man ja auch meist an den Größeren, Vernunft zu zeigen.
Auf beiden Seiten sitzen Scharfmacher, die über das "Auge um Auge, Zahn um Zahn" nicht rauskommen: und auf israelischer Seite sind das sicher keine Befürworter der Homoehe.
Ich kann weder verstehen, warum die Palästinenser nicht endlich die Hamas zum Teufel jagen, noch warum Israel immer wieder mit dem Bau neuer Siedlungen provozieren muss. Aber das geht seit Jahrzehnten so, da kann ich mich wirklich nicht mehr darüber aufregen.
Und gemeinsame Demos von Nazis, Islamisten und einem Teil der Linken sind ja eine Groteske für sich ..
Bunte Welt hat gesagt…
Man kann es auch übertreiben. Als es die Staatengebilde der heutigen Zeit in der Ecke noch nicht gab, lebten die Stämme friedlich nebeneinander. Kleine Scharmützel gab und gibt es immer mal. Nur, was ließ Herodes dazu hinreissen, dass er damals die Stämme der Judäer verfolgte? Waren es schon damalige Expansionsgelüste der Judäer? Schaut man sich heutige Nachrichtenportale an, präsentieren sich viele israelische Politiker und Siedler wie Nachfolger einer Herrenrasse. Sie alle könnten da unten in Frieden leben, wenn sich auch der Staat Israel zurücknehmen würde. Der Zankapfel sind die Siedlungsgebiete.
http://www.nachrichten.at/nachrichten/politik/aussenpolitik/Die-wollen-doch-nur-in-Ruhe-leben-koennen;art391,1451794
Anonym hat gesagt…
Ich kann jetzt nicht ganz nachvollziehen warum die Haltung zum Konflikt direkt mit der Haltung zu den antisemitischen Ausbrüchen zu tun haben soll...
Während es mir sehr schwer fällt die Schuldfrage in diesem Konflikt allein bei einer Seite zu sehen, ist es in meinen Augen selbstverständlich dass Antisemitismus nicht toleriert wird...
Anonym hat gesagt…
@Sarah: Willst du hiermit sagen, das Toeten unschuldiger SCHWULER in Gaza ist akzeptabel, solange die Hamas die Zwangsheirat Minderjähriger durchsetzt?

Anonym hat gesagt…
Wir halten also fest: Kinder, die sich schon im zarten Alter zum Judenhass indoktrinieren lassen, dürfen sich nicht wundern, wenn sie über den Jordan gehen. (Geben aber wenigstens noch postum einen Anlass zum eitlen Räsonnement ab.)
Anonym hat gesagt…
Meinst du die unschuldigen Kinder, welche die Hamas als Schutzschilde benutzt oder die Kinder, die in den innerpalästinensischen Konflikten umgebracht werden?
Anonym hat gesagt…
Homosexuelle dürfen in israel nicht heiraten, weil es keine Zivilehe gibt.
Trotzdem guter Kommentar.
Anonym hat gesagt…
Nein, Sarah, das sagt er nicht. Lies den Artikel einfach nochmal. Tim
Sarah hat gesagt…
Hallo anonymer Tim. Der Leo sagt es villeicht nicht worwoertlich, aber so meint er es! Wenn nicht, dann soll er doch bitte mal meine Frage beantworten. Oder ist ihm das zu kompliziert?

Ausserdem, Hamas wird immer als homogene Einheit dargestellt. Das ist sie schlichtweg nicht. Es gibt innerhalb der Hamas radikale und moderate, genau so wie es in Israel radikale/rechte und liberale gibt.

NICHTS aber auch GARNICHTS gerechtfertigt den Mord an Kindern. Packt endlich diese praktische Anti-Semitismus Keule ein.

Hier, was lesenswertes: http://www.newyorker.com/magazine/2009/11/09/captives-2

und http://www.newyorker.com/books/page-turner/israels-other-war?src=mp

PEACE ihr Zaubermaeuse.
Anonym hat gesagt…
Ich glaube nicht, dass alle Israelis hinter dieser "ihrer" Politik stehen. Denn sie haben ja eben keine 99,9 % Wahlergebnisse.
Deshalb kann ich mit der Forderung von Helmut Schmidt und Leo Fischer, einfach mal die Schnauze zu halten, ganz gut leben.
Anonym hat gesagt…
Sie haben sich geisteswissenschaftlich kurz gefassßt. Das gefällt mir.
Anonym hat gesagt…
Jetzt haben Sie es geschafft: Julia "Kontrolle verlustiert sich" Schramm findet sie gut.
Anonym hat gesagt…
haaah, da ist sie. eine der deutschesten aller anklagen: die der "antisemitismuskeule".

was braucht es eigentlich noch, um menschen klar zu machen, das die hamas keine freiheitsbewegung und ihr hass auf die juden einer der zentralen motive ihres handelns ist? deswegen schießt sie die raketen auch egal auf wen oder was und nicht auf das israelische militär oder dessen einrichtungen. deswegen will sie in israel einfallen und wahllos menschen umbringen. es geht ums judenmorden.

sarah, sorry, du stehst mitten im wald und siehts die bäume nicht. das ist gefährlich, wirklich gefährlich.

und außerdem: mord ist absichtsvolles und geplantes töten. bitte, ganz im ernst: die soldaten der IDF haben nicht den auftrag, von langer hand geplant und absichtsvoll palästinensische kinder umzubringen.

entweder hast du (und leider viele andere) die kategorien nicht klar, oder die wut ist mit dir durchgegangen oder auch aus dir spricht das alte antisemitische denken.

sorry, aber ich kann dieses kindermörder-geseier nicht mehr hören.
Bolus Krim hat gesagt…
Was für ein Getöse, um eine wackelige These gegen das Heer der Unentschlossenen durchzudrücken. Das meiste tausendmal gehört, wie immer gallig und unscharf. Und vor allem bequem, pseudo-radikal und dank polemischer Überdeterminierung davor gefeit, sich politisch je beim Wort nehmen lassen zu müssen.

Das Böse ist böse und nur böse, und alles außer Krieg ist Appeasement, also die Inkaufnahme eines zweiten Auschwitz. Die Tautologie als analytische Figur.

Solche Aneinaderreihungen von Killerphrasen sind der Tod jedes Diskurses, und genau das wollen sie auch sein: Die Abweichung vom gesetzten Dogma wird als Ausdruck des angeblich antisemitischen Unterbewussten des Kontrahenten „entlarvt“ und triumphierend herumgereicht. Da es auch nicht um die Kritik einer ganz bestimmten Position (hier: das Problematische an einer - unterstellten - Äquidistanz) geht, sondern um das Durchdrücken der eigenen, naiven Vorstellung von „bewaffnetem Antifaschismus“ in Zeiten der globalen negativen Aufhebung usw. usf., wird schnurstracks ein gutdeutscher Pappkamerad gebastelt, der mit Schlaumeiers Schrotflinte und ordentlich viel Pulverdampf zur Strecke gebracht wird. Lustvoller Ekel fürs staunende Publikum.

Diese Art antideutscher Tirade schreibt sich, mit etwas elaboriertem Code, von selbst. Thema beliebig, Tenor und Adressat austauschbar.

Das Schlimme: Die K-Gruppen und ihre antideutschen Zerfallsprodukte haben diese Art von Polemik schon X-mal bis zum Erbrechen vorexerziert und sich immer wieder zu hanebüchenen Thesen verstiegen, die ihnen im Nachhinein keiner vorhält, weil sie irgendwie sexy klingen und gegen irgendeinen deutschen linken Spießer gerichtet sind, der man angeblich selber nicht ist, auch wenn man bei den Grünen, der SPD oder der FAZ anschaffen geht.

Das ist Deutsches Kabarett, wo es eigentlich Aufklärung und Diskurs hätte sein können. Schade.
Bolus Krim hat gesagt…
Was für ein Getöse, um eine wackelige These gegen das Heer der Unentschlossenen durchzudrücken. Das meiste tausendmal gehört, wie immer gallig und unscharf. Und vor allem bequem, pseudo-radikal und dank polemischer Überdeterminierung davor gefeit, sich politisch je beim Wort nehmen lassen zu müssen.

Das Böse ist böse und nur böse, und alles außer Krieg ist Appeasement, also die Inkaufnahme eines zweiten Auschwitz. Die Tautologie als analytische Figur.

Solche Aneinaderreihungen von Killerphrasen sind der Tod jedes Diskurses, und genau das wollen sie auch sein: Die Abweichung vom gesetzten Dogma wird als Ausdruck des angeblich antisemitischen Unterbewussten des Kontrahenten „entlarvt“ und triumphierend herumgereicht. Da es auch nicht um die Kritik einer ganz bestimmten Position (hier: das Problematische an einer - unterstellten - Äquidistanz) geht, sondern um das Durchdrücken der eigenen, naiven Vorstellung von „bewaffnetem Antifaschismus“ in Zeiten der globalen negativen Aufhebung usw. usf., wird schnurstracks ein gutdeutscher Pappkamerad gebastelt, der mit Schlaumeiers Schrotflinte und ordentlich viel Pulverdampf zur Strecke gebracht wird. Lustvoller Ekel fürs staunende Publikum.

Diese Art antideutscher Tirade schreibt sich, mit etwas elaboriertem Code, von selbst. Thema beliebig, Tenor und Adressat austauschbar.

Das Schlimme: Die K-Gruppen und ihre antideutschen Zerfallsprodukte haben diese Art von Polemik schon X-mal bis zum Erbrechen vorexerziert und sich immer wieder zu hanebüchenen Thesen verstiegen, die ihnen im Nachhinein keiner vorhält, weil sie irgendwie sexy klingen und gegen irgendeinen deutschen linken Spießer gerichtet sind, der man angeblich selber nicht ist, auch wenn man bei den Grünen, der SPD oder der FAZ anschaffen geht.

Das ist Deutsches Kabarett, wo es eigentlich Aufklärung und Diskurs hätte sein können. Schade.
Anonym hat gesagt…
Begründete Nachdenklichkeit mit "Neutralität" oder gar 'Raushalten'zu verwechseln - darauf muss man erstmal kommen. Den Nachdenklichen eine Verknüpfung zu den Schweigern von 1933 zukommen zu lassen, bestärkt mich in einem: Ja, manchmal sollten einige einfach mal die Klappe zu halten.
Anonym hat gesagt…
Können Sie eigentlich Arabisch oder Hebräisch?
Anonym hat gesagt…
Säen schreibt man ohne H. Ich bekomme Augenkrehbs!
Ansonsten Danke für den guten Artikel!
Anonym hat gesagt…
@Sarah: Pack endlich diese praktische "Antisemitismuskeule"-Keule ein.

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