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Die deutsche Sprache mag reich sein, die deutsche Klischeelandschaft hingegen, die ist noch völlig unterentwickelt, zum Nachteil und Verdruß aller Kommentier-, Debatten- und Humorhengste. Zum Beispiel gibt es keinerlei gute Klischees über Gewerkschaftler. Nein, Herrgott, Klischees! Keine blassen Assoziationen von wegen dick und Trillerpfeife! Aus historisch übrigens hochinteressanten Gründen werden etwa in Amerika Gewerkschaftler automatisch mit der Mafia assoziiert. Was für ein dankbares, hochergiebiges Klischee, ohne Gleich' im Deutschen! Eine noch zu gründende „Stiftung Deutsches Klischee“ wäre gehalten, solch blinde Flecken auf der Netzhaut unserer Vorurteile zu erkennen und durch gezielte Förderung entschlossen wegzulasern. Für Gewerkschaftler möchte ich einstweilen vorschlagen, sie alle, ähnlich den katholischen Priestern, als heimlich schokosüchtig hinzustellen. Nichts bezwingender als die Vorstellung des herrlich purpurfarbenen, strohblonden DGB-Chefs Hoffmann, wie er nächtens, erleuchtet nur vom rötlichen Schein des eigenen Gesichts, im Hemd zum Kühlschrank tapert, um dort mit lautem Geschmatz und Geseufz' Mousse au chocolat zu löffeln, Becherl um Becherl. Mag sein, es handelt sich um kein sonderlich griffiges Klischee. Aber wenn es sich erst mal durchgesetzt hat, werden Sie den Unterschied kaum spüren. Probieren Sie's gleich mal aus. Nur Mut!

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