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Trauern mit Hilmar Klute

Noch sehr genau erinnere ich mich an das Jahr 2012 und die Ausschreitungen um den Film "Innocence of Muslims", welche "Charlie Hebdo" und TITANIC auf die ihnen je eigene Weise kommentierten. Viele von den Politikern und Journalisten, die sich heute mit ‪#‎jesuissowieso‬ schmücken, warfen uns damals vor, wir würden Öl ins Feuer gießen, wir müßten uns zurückhalten etc.

Keiner von ihnen erreicht aber die Verlogenheit, Heuchelei und tiefe menschliche Verkommenheit des SZ-Redakteurs Hilmar Klute. Er, der jetzt verheult aus Paris berichtet ("sie trauern mit Trotz und immer noch mit einem Rest von jenem Stolz, der heute einen tiefen Riss bekommen hat") und ansonsten in seinem ganzen Leben noch kein Risiko eingegangen ist, insonderheit nicht in seinem pupsöden "Streiflicht", schrieb 2012 über Charlie Hebdo, das Magazin sei "langweilig", "so schlecht wie selten zuvor" und handwerklich mittelmäßig: "Diese bebende Kühnheit ist in Wahrheit der zittrige Zorn von spätbürgerlichen Wüterichen, die glauben, daß die freiheitliche Ordnung täglich von durchgedrehten Islamisten gekippt werden kann."

Viel wird jetzt geredet über das Wiederaufschwappen der Fremdenfeindlichkeit und zunehmende Zunahmen aller Art, und all dies ist freilich schlimm genug - daß aber durch das Attentat eine Stimmung entsteht, in der eine solche Zäpfchengesinnung nicht geahndet wird, ja als Solidarität durchgeht, daß ein Klima aufkommt, in der eine sich soigniert gebende Spezialarschgeige wie der Hilmar Klute den Opfern von Paris ungesühnt ins Grab strullen darf, - darüber spricht wieder mal keiner.

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Sehr schön ;)
Anonym hat gesagt…
Gut beobachtet. Und morgen werden sie wieder auf die Schmuddel Kinder des Journalismus schimpfen

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