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Die Schönheit unserer Germanisten (4)

In der Reihe „Giganten der Sprache mit gigantischen Namen“ wollen wir uns heute einer Sonderform der Germanistenschönheit widmen: nämlich der Binymie, vulgo der Doppelbenanntheit. Wenn schon aus dem einfachen und Muttersnamen einer Person sich der gesamte Lebenslauf erschließen läßt (Beweise auf diesem Blog), entsteht aus einem der (mittlerweile wieder selten gewordenen) Doppelnamen ein spannungsgeladenes elektrisches Feld, in dem Insekten und kleine Nager gnadenlos zu Klump gebraten werden. Denn erwiesenermaßen zieht sich eine Germanistin, ein Germanist den Doppelnamen in den allermeisten Fällen während der Karriere zu, wählt also einen Partner nicht zuletzt aufgrund auch der Schönheit seines Namens - und damit in voller Ausübung der eigenen poetischen Kompetenz. Dadurch aber wird der Germanist gewissermaßen Poet des eigenen Lebens – denn den eigenen, unveränderlichen Taufnamen kann er lebend nur interpretieren, wohingegen der Doppelname ein gewählter ist.

Im Falle der Anne Maximiliane Jäger-Gogoll, Heine-Spezialistin aus Siegen, liegt der Fall noch recht einfach. Die Vornamen deuten auf einen ehedem adligen Hintergrund, der Nachname auf eine unglückliche Hochzeitspolitik, frühes Leid, Ruin und Gesichtsverlust eines ganzen stolzen Geschlechts. Die letzte Dererzuvon, gezwungen, einen Jäger zu heiraten, kompensierte den Verlust des Titels mit einer traditionsbewußten Ausstattung des Töchterleins mit hochadligen Vornamen. Um wiederum dieser tragischen Familiengeschichte dichterisch Ausdruck und zugleich dialektische Würze zu verleihen, heiratete dies Töchterchen einen Klon von Nikolai Gogol, jenem Schriftsteller, der die Verderbtheit des Adels wie keiner sonst zu schildern wußte. Gleichzeitig wird sie bei Gogol auch an die Superzahl Googol gedacht haben, der größten Zahl im bekannten Universum, wie auch an den nach der Zahl benannten Internet-Multi Google, hierin den Wunsch nach der Rückkehr zu superreichen Adelszeiten treffend sublimierend oder doch substituierend.

Verzwickter liegt der Fall bei ihrem Kollegen Rüdiger Nutt-Kofoth. Es handelt sich bei ihm um den alten babylonischen Gott Baal-Kofoth, in seinen Hochzeiten Gott der Brücken, der Nachmittage, der Mißernten und des Sauerampfers. Nachdem er die die Ankunft der monotheistischen Religionen mit Müh und Not überlebt hat, haust er jetzt mit der ägyptischen Katzengottheit Bast in einer Wuppertaler Wohngemeinschaft. Weil praktisch niemand mehr an ihn glaubt, hat er sich den Zunamen Nutt beigelegt, in der Hoffnung, mit einem dezent-latenten Image als nutty god immerhin bei Lovecraft-Jüngern Anerkennung zu finden, deren Universum ja ebenfalls von wahnsinnigen Gottheiten bevölkert ist. Aber auch das will ihm nicht recht gelingen: Bast, Inbegriff der mad cat lady, hat im Internet Millionen Fans, der Baal-Kofoth hingegen wird derzeit nur von einer Person verehrt (mir).

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