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Ein Studium sollte v.a. einen Rahmen bieten
Filipp Piatovs Welt-Artikel, in dem er sich selbst zu seiner Studienwahl gratuliert, hat bei mir schon eine mittelschwere Deprimation ausgelöst. Stolz aufs bedingungs- und widerstandslose Funktionieren, von keinem Gedanken getrübtes Nachplappern des allgegenwärtigen Leistungs- und Untertanensprechs, dazu noch der Schmalz vom armen Russenbuben, der von gütigen Deutschen hochgepäppelt wurde - es ist schon alles ein rechter Graus. Als ich 2001 zu studieren begann, gab es diesen Typus Studenten auch, aber da konnte man ja noch ernsthaft der Illusion nachhängen, man hätte eine Chance, der große Crash kam ja erst noch. Heute, da man objektiv keine mehr hat, wirkt diese diensteifrige PR fürs Bestehende noch einen Zacken verblendeter, ja schon fast klinisch verrückt.

Nebenbei: Man muß sich ernsthaft fragen, wer jetzt, nach der Krise, überhaupt auf die Idee kommt, v.a. Finanzen studieren zu wollen. Es müssen die gräßlichsten Menschen auf der Welt sein.

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Mit einem Bachelor in WiWi ist man in Dland heuer natürlich gefragt wie nie. Die Entscheidung Herrn Piatovs, "etwas Bodenständiges" studieren anstatt seine Zeit mit Kultur oder Philosophie zu verplempern, sich zu "Verwirklichen", wird sich sicher bald auszahlen, z.B. in einer Festanstellung bei einer Unternehmensberatung mit Mitte 20. Da werde ich beinahe neidisch.

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