Direkt zum Hauptbereich

Für das leibliche Wohl ist gesorgt

"Wir sind dankbar für eine unglaublich tolle gemeinsame Zeit." Als ich dieses Epitaph in eigener Sache zuerst sah, dachte ich zunächst: Herrje, es reicht halt die Sprache nicht und nicht an die Verzweiflung heran, wenn man schon den Tod des Lebensmenschen mit Worten beklagt, die man normalerweise nach zehn Tagen Moselurlaub ins Gästebuch der "Café-Pension Schmankerlwirt" schreibt. Aber dann dachte ich mir: Ist das Leben nicht auch ein bißchen wie ein Aufenthalt im Schmankerlwirt? Man kommt aus den falschen Gründen und mit fehlgeleiteten Empfehlungen, wird sofort mit den falschen Leuten an einen Tisch gesetzt und muß dann erst mal warten, weil die Küche überhaupt erst aufmacht, was den Zuständigen viel weniger leidtut, als es sollte. Die Zimmer sind schlecht beheizt, ins Wlan muß man sich im Stundentakt neu einwählen, und wenn man dann auschecken möchte, stellt man fest, daß man die ganze Zeit auf Halbpension gebucht war und trotzdem immer teuer essen gegangen ist. Aber gleichzeitig ist das alles halt auch nicht so schlimm, weil es ja keine Fernreise war und ohnehin im Angebot, und für nur zehn Tage, was soll man sich da aufregen. Was ich sagen möchte: Mit einem Satz wie "Bedienung und Service supernett, und das Essen war DER HAMMER", mit so einem Satz kann man dem Schmankerlwirt Existenz Lebewohl sagen und seinen Hut nehmen, ohne sich selbst oder andere allzu sehr zu beschämen. Möget Ihr alle "Jederzeit wieder!" auf Eure Grabsteine schreiben können.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Sticks and Stones

Über die verschiedenen Formen des Beleidigtseins, nebst einer Handreichung für die Opfer unerträglicher Provokationen einerseits wie zum Selbstschutz der Provokateure andererseits


Während die Satiriker spotten, die Witzemacher witzeln und die Provokateure provozieren, sie alle also die Kunst des Ankeifens und des Giftelns verfeinern und ausdifferenzieren, schaffen sie stets auch eine Schatten-Profession, ein Spiegelbild ihrer selbst: die Empörten; umgangssprachlich: die Opfer. In der langen Geschichte der Kränkung, des Schmollens und des Beleidigtseins haben sich dabei über die Dezennien und Dezimalstellen hinweg einige Grundformen herausgebildet, die mittlerweile eine hohe Selbständigkeit erreicht haben und auch von Laien wiederholt werden können. Sie ähneln darin Figuren im Ballett, im Eiskunstlauf oder Dressurreiten: Zwar können sie miteinander kombiniert und in gewissem Grade auch variiert werden, dies aber ist weder gewünscht noch geboten; es geht um eine perfekte Perfomance, nic…

Warum Trump?

Nach wie vor versuchen mir Linke zu erklären, die Wahl Trumps sei letztlich nur auf einen Irrtum der abgehängten Industriearbeiter zurückzuführen, die nicht einsehen, daß der Orangene gar nicht ihr Klasseninteresse, allg. Wohlstand oder Kommunismus im Sinn habe. Es scheint hier gar keine andere Motivation vorstellbar als fehlgeleitetes Eigeninteresse.

Ich habe in den letzten Tagen sehr viele Beiträge und Tweets von Trump-Unterstützern gelesen; nirgendwo sehe ich, daß seine Wähler ernsthaft glauben, es würde ihnen jetzt wirtschaftlich besser gehen. Nirgendwo sieht man die Hoffnung, jetzt höherbezahlte Jobs zu erhalten oder am berühmten Monatsende mehr in der Tasche zu haben. Hier wurde gar nicht erst aus Eigeninteresse gewählt, sondern gewissermaßen selbstlos.

Die überwiegende Mehrheit der Wähler scheint keine materielle Belohnung erwartet zu haben. Sie haben gar keine persönliche Hoffnung auf Trump gesetzt; deswegen war es auch egal, was er ihnen alles vorlog. Ihnen war von Anfang an …
Im Neuen Deutschland versammle ich noch ein paar haßerfüllte Gedanken zu Markus Lanz. Wie ich ihn hasse. Haß, Haß, Haß.