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Streßblick

Ein schönes Phänomen im Deutschland der abschmelzenden Mittelschicht: der Akademiker-Streßblick im Discounter. Herrschaften, die durch ihre Kleidung sonst Distinktion vorschützen, streunen durch die Supermärkte mit den Mienen verwilderter Hunde: die Lefzen hochgezogen, der Unterkiefer leicht entblößt, die Augen starr geradeaus gerichtet, die Designerhandtasche fest an den pilatesgegerbten Leib gekrallt. Ich gehöre nicht hierher, scheinen sie zu sagen, ich habe mich verirrt, ich bin von alldem angeekelt. So ähnlich müssen sich auch die Aristos aufgeführt haben, als sie aus dem revolutionären Frankreich geflohen waren: deklassiert und mit Insignien überholten Prunks ausgestattet, entwürdigt noch um Würde ringend. Denn richtig reiche Leute, die mehr haben als nur einen kümmerlichen Rest an kulturellem Kapital, gehen erstens nicht in Discounter und wenn doch, dann völlig entspannt, ja fast amüsiert: Ihnen kann ja nichts passieren. Wohingegen die Mittelschicht deutlich fühlt, daß sie nur die Vaude-Jacke von  dem um sie her brandenden Meer der Pfennigfuchser trennt - umso bulldoggenhafter müssen sie sie verteidigen.

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Warum Trump?

Nach wie vor versuchen mir Linke zu erklären, die Wahl Trumps sei letztlich nur auf einen Irrtum der abgehängten Industriearbeiter zurückzuführen, die nicht einsehen, daß der Orangene gar nicht ihr Klasseninteresse, allg. Wohlstand oder Kommunismus im Sinn habe. Es scheint hier gar keine andere Motivation vorstellbar als fehlgeleitetes Eigeninteresse.

Ich habe in den letzten Tagen sehr viele Beiträge und Tweets von Trump-Unterstützern gelesen; nirgendwo sehe ich, daß seine Wähler ernsthaft glauben, es würde ihnen jetzt wirtschaftlich besser gehen. Nirgendwo sieht man die Hoffnung, jetzt höherbezahlte Jobs zu erhalten oder am berühmten Monatsende mehr in der Tasche zu haben. Hier wurde gar nicht erst aus Eigeninteresse gewählt, sondern gewissermaßen selbstlos.

Die überwiegende Mehrheit der Wähler scheint keine materielle Belohnung erwartet zu haben. Sie haben gar keine persönliche Hoffnung auf Trump gesetzt; deswegen war es auch egal, was er ihnen alles vorlog. Ihnen war von Anfang an …
Im Neuen Deutschland versammle ich noch ein paar haßerfüllte Gedanken zu Markus Lanz. Wie ich ihn hasse. Haß, Haß, Haß.

It's complicated!

Fast noch possierlicher als diejenigen, die sich mit ihren „Free Palestine“-Rufen vorgeblich auf die Seite der Unterdrückten schlagen und in Wahrheit schon ganz genau wissen, wen und was sie damit unterstützen, finde ich ja diejenigen, die sich aus dem ganzen raushalten wollen – wehewehe, man weiß ja nicht, wer da wirklich die Guten sind, evtl. bleibt sogar an mir was hängen, wenn ich mich einseitig solidarisiere, können wir das hier in Europa überhaupt alles recht durchschauen? Das sieht dann so aus, daß man entweder "den Nahostkonflikt" beklagt, als objektives Faktum, als Naturschauspiel, auf das man keinen Einfluß hat, wie den Monsun oder den Borkenkäfer. Aus diesem Lager stammt dann die Phrase von den "Hardlinern auf beiden Seiten". Oder man legt ganz pathetisch die Hände in den Schoß, wie es Misha Anouk getan hat - ignoramus, ignorabimus.

Denn es ist ja auch kompliziert. Auf der einen Seite haben wir eine Demokratie, in deren Talkshows Vertreter sämtlicher Pa…